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Ein Hauch von Broadway in Montabaur

Ein Hauch von Broadway in Montabaur
Ein Hauch von Broadway in Montabaur
Schauspielerin Jessica Tiziani in ihrem Element © Annette Krumpholz, KEB
Frauenfrühstück Hofheim, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung im Bistum Limburg, Literaturwelten Montabaur
© Annette Krumpholz, KEBEva Knöllinger-Acker

Es ist ein Kleinod der Kulturszene im Westerwald: in der Lesereihe LiteraturWelten der Katholischen Erwachsenenbildung bringen zwei Frauen Theater- und Literaturklassiker ans Publikum. Seit fast zehn Jahren ziehen die Dozentin Eva Knöllinger-Acker und die Schauspielerin Jessica Tiziani mit ihrer Kunst ihr Publikum in den Bann. Anfang März ließen sie durch die Räume der Stadtbibliothek einen Hauch von Broadway wehen, als es um die amerikanischen Dramatiker Arthur Miller, Tennessee Williams und Neil Simon ging.

Das Konzept ist frappierend einfach und kommt unglaublich frisch rüber. Zunächst führt Knöllinger-Acker über eine pointierte Kurzbiografie zum jeweiligen Autor hin. Das öffnet den Blick für die Hintergründe der Werke. Darauf folgt der Vortrag einer Textpassage durch Tiziani.

Man erfährt etwa, dass Arthur Miller sich intensiv mit China und der damaligen Sowjetunion beschäftigt hat – und das zu einer Zeit, in der solche Reisen längst noch keine Normalität waren, erst recht nicht für US-Amerikaner. Die Kommunisten-Jäger in der McCarthy-Ära hatten den Schriftsteller sogleich auf ihrer schwarzen Liste. Daran anlehnend entstand das Stück „Die Hexenjagd“, das beispielhaft zeigt, wie eine Massenhysterie ins Rollen gerät, Menschen ihre langjährigen Nachbarn von heute auf morgen denunzieren und der Rechtsstaat in atemberaubender Geschwindigkeit ausgehebelt wird.

 

Frauenfrühstück Hofheim, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung im Bistum Limburg, Literaturwelten Montabaur
© Annette Krumpholz, KEBJessica Tiziani versteht es, ihre Zuhörer zu fesseln.

Die Schauspielerin trägt eine Passage aus dem Stück in so eindringlicher Weise vor, dass der Zuschauer sofort gefesselt ist. Mit wenigen, aber intensiven Gesten unterstützt sie dabei die Worte und man fühlt sich fast im Strudel der Worte gefangen. Schockierend ist dabei die Aktualität des Vortrags. Auch wenn es eigentlich um einen Hexenprozess im 17. Jahrhundert geht, sieht man sofort die Parallelen bis in unsere heutige Zeit.

Auch beim darauf folgenden Autor Tennessee Williams verstehen die beiden Akteurinnen es, eine Stimmung zu schaffen, die vergessen lässt, dass man mitten in Montabaur sitzt. Atmosphärisch dicht und mit viel Charisma liest Tiziani aus dem Klassiker „Die Katze auf dem heißen Blechdach“. Man spürt die seelische Pein des Ehepaars, um dass es geht und fühlt sich, als sei man höchstpersönlich Augenzeuge eines Kampfes zweier verzweifelter Menschen.

Letztlich entlassen Knöllinger-Acker und Tiziani ihr Publikum aber in gelöster Stimmung und mit viel guter Laune, als zum Abschluss der letzte Akt aus dem Stück „Plaza Suite“ von Neil Simon vorgetragen wird. Die Zuschauer sind hingerissen vom geschickten und feinen Wortwitz und die Lachtränen fließen in Strömen.

Der nächste Termin der LiteraturWelten ist Mittwoch, der 6. Mai. Dann geht es in der Stadtbibliothek Montabaur ab 19:30 Uhr um den Briefwechsel der beiden Nobelpreisträger Thomas Mann und Hermann Hesse. Wer einen amüsanten und bewegenden Abend erleben möchte, der gleichzeitig zum Nachdenken anregt, wird hier genau richtig sein.

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